Es sind hunderte Millionen von Stunden, die Patienten pro Jahr in den Wartezimmern sitzen und warten. Es gilt als eine verlorene Zeit.
Neulich saß ich auch in einem Wartezimmer beim Arzt. Andere, die nach mir kamen, kamen vor mir dran. Es störte mich überraschenderweise nicht. Ich war beschäftigt. An der Wand hing Kunst.
Es waren Karikaturen über Situationen in Wartezimmern beim Arzt. Sie waren witzig, manche fand ich komisch, ich verstand den Witz nicht gleich, dazwischen dachte ich an den Grund meines Besuches, meiner Beschwerden, ich zögerte schon länger den Besuch raus, saß jetzt doch hier, wollte schnell wieder weg und wurde immer ruhiger. Es ging alles gut aus und die Kunst hat geholfen.
Der Besuch beim Zahnarzt ist eine besondere Herausforderung. Die Angst vor dem Bohrer sitzt tief. Es ist einfach unangenehm. Beim Zahnarzt lernte ich meine Zähne lieben. Jeder gerettete Zahn ist ein Triumph. Meine Bilderserie ZAHNKUNST habe ich diesem Wunderwerk gewidmet.


Bei Zahnschmerzen kracht die Welt zusammen, alles tut weh. Es ist ein Kosmos, der sich öffnet und sich weit vom Scheitel bis über den kleinen Zeh hinaus ausdehnt.
Mein erstes Bild in dieser Reihe habe ich dem KOSMOS DER ZÄHNE gewidmet. Bis heute packt mich eine tiefe Ehrfurcht davor. Alle Zähne sind mit unseren Ahnen verbunden. Die vorderen Schneidezähne mit den Eltern, rechts der Vater, links die Mutter, nur um einen ersten Einblick zu geben. Es gibt noch mehr. Die linke Seite oben ist mit Herz und Lunge verknüpft, und die Organe sind wiederum mit den Sternen verbunden.
Um diese nicht nur globalen, sondern universalen kosmischen Verbindungen geht es in weiteren Bildern.
Die wirbelnde Siegessäule hält alles zusammen, alles läuft bei ihr durch. Es scheint wie eine Krönung, wie der goldene Zahn in seinem Universum thront.

„Kunst hat eine heilende Wirkung.“
Kunst auf Rezept gibt es in Neuchatel. Dort können Ärzte ihren Patienten Museumsbesuche verschreiben, die von den Kassen erstattet werden. Kunst hat eine heilende Wirkung. Bei einem weltweiten Pilotprojekt, das in Montreal 2018 gestartet wurde, stellte man fest, dass Kunst bei Depressionen, Angstzuständen, Diabetes und Bluthochdruck hilft. Mediziner von Montpellier bis Massachusetts greifen auf das ungewöhnliche Rezept als Ergänzung zu
herkömmlichen Behandlungen zurück.
Aber die Behandlung kann schon im Wartezimmer beginnen, wenn es dort Kunst gibt.
Autorin des Gastartikels:
Christa Baisch – Künstlerin aus Berlin
Weitere Bilder und Kontakt: www.baisch.berlin
